Flüchtlinge weltweit und bei uns - Zahlen und Fakten

2018 wurde alle zwei Sekunden ein Mensch auf der Welt zur Flucht gezwungen. Noch nie war die Zahl derjenigen, die vor Kriegen, Konflikten und Verfolgung flohen, so hoch wie 2018. Jeden Tag waren durchschnittlich 37,800 Menschen gezwungen ihre Heimat zu verlassen. Das heißt: Jede 108. Person auf der Welt befindet sich entweder auf der Flucht oder lebt als Binnenvertriebene*r oder Asylsuchende*r in anderen Regionen oder im Ausland. Nur ein kleiner Bruchteil der insgesamt 70,8 Millionen Menschen, die auf der Flucht sind, gehen  nach Europa. Nach Deutschland kamen beispielsweise 1,1 Millionen Menschen.  (Quelle: UNHCR Global Trends Forced Displacement in 2018).

Während diese Zahlen eine gute Möglichkeit liefern, sich ein Bild über die gegenwärtigen Fluchtbewegungen zu machen, ist auch hier kritisches Mitdenken von Nöten: Es ist grundsätzlich sinnvoll, zu fragen, wer welche Daten auf welcher Grundlage erhebt und wie vertrauenswürdig der Ort der Veröffentlichung erscheint. UNHCR weißt beispielsweise explizit daraufhin, dass die Daten, die in den jährlichen Global Trends Reports veröffentlicht werden, auf verschiedenen Angaben von Regierungen, NGOs und eigenen Erhebungen basieren und behält sich darüber hinaus mögliche Änderungen vor. Eine Frage, die sich daraus ergibt ist zum Beispiel, welche Personengruppen (z.B. nur vom UNHCR registrierte Schutzsuchende) erfasst werden und welche nicht und wie genau die vorliegenden Zahlen vor diesem Hintergrund sein können. Hilfreich ist also stets, verschiedene Quellen zu Rate zu ziehen und miteinander abzugleichen.

Geflüchtete weltweit

„Welchen Maßstab man auch nimmt, diese Zahl ist nicht zu akzeptieren. Und aus ihr spricht lauter als jemals zuvor die Notwendigkeit zur Solidarität und zu gemeinsamen Zielen bei der Prävention und Lösung von Krisen. Gemeinsam muss sichergestellt werden, dass die Flüchtlinge, Binnenvertriebenen und Asylsuchenden weltweit angemessen geschützt und versorgt werden, während zugleich Lösungen angestrebt werden.“ 

- UN-Flüchtlingskommissar Filippo Grandi

Ende des Jahres 2018 waren weltweit 70,8 Millionen Menschen auf Grund von Verfolgung, gewaltsamen Konflikten oder anderweitigen Menschenrechtsverletzungen auf der Flucht.  41,3 Millionen Menschen sind innerhalb ihres eigenen Landes (sog. Binnenvertriebene) geflohen. 25,9 Millionen Menschen haben die Grenzen ihres Heimatlandes verlassen und suchten Schutz im Ausland. 3,5 Millionen Menschen warteten auf die Entscheidung ihres Asylverfahrens.Diese Zahlen, die zwischen 2012 und 2015 insbesondere wegen des Konflikts in Syrien immens gestiegen sind, haben Ende 2018 laut UNHCR ein neues „Rekordhoch“ erreicht. Neben des Krieges in Syrien, der nach den Angaben der UNHCR Global Trends zum Ende des Jahres 2018 insgesamt 13 Millionen Menschen zur Flucht zwang (genauer: 6 654 000 Geflüchtete und 6 184 000 Binnenvertriebene), spielte insbesondere die Situation in Venezuela eine große Rolle. Die Gründe, weshalb über 3 Millionen Venezolaner*innen bis Ende 2018 ihr Land verließen, sind vielfältig: Gewalt, Verfolgung auf Grund politischer Überzeugungen, Lebensmittelengpässe und kaum Zugang zu medizinischer Versorgung, etc. Viele konnten ihre Existenz und die der Familie im Land nicht mehr sichern. Laut UNHCR verlassen auf Grund der gleichbleibend prekären Lage rund 5000 Personen weiterhin täglich das Land, weshalb bis Ende 2019 von einer Zahl von rund 5 Millionen Geflüchteten aus Venezuela ausgegangen wird. Diese Situation wirkt sich auch auf die Nachbarländer Venezuelas aus: So leben in Kolumbien beispielsweise mit 7 816 500 Menschen die meisten Binnenvertriebenen weltweit. Auch relevant für die Zusammensetzung der aktuellen Zahlen ist die Flucht muslimischer Rohingya, die auf Grund von Verfolgung und Unterdrückung von Myanmar nach Bangladesch flohen:  Ende 2017 belief sich die Zahl auf rund 700 000 Personen.  

Mehr als die Hälfte der Geflüchteten weltweit waren Kinder unter 18 Jahren; 138 600 davon unbegleitet oder von ihren Familien getrennt.

2018 konnten 2,9 Millionen Menschen – 2,3 Millionen Binnenvertriebene und rund 600 000 Personen, die außerhalb ihrer Herkunftsländer auf der Flucht waren – mit Hilfe des UNHCR in ihre Heimatländer oder Heimatregionen zurückkehren. Ob und in welchem Maße diese Rückkehr freiwillig war, ist unklar. Zudem wurden Personen, die eigenständig heimkehrten, in diesen Zahlen nicht erfasst.

Die globale Verteilung von Geflüchteten auf andere Länder erweist sich als eher ungleich. Nur 16% der Geflüchteten lebten 2018 in Ländern, die als wirtschaftlich stark entwickelt gelten. Ein Drittel der Menschen, die global auf der Flucht waren, lebte in den am wenigsten entwickelten Ländern. Wie bereits im Vorjahr lebten auch 2018 im Libanon am meisten Flüchtlinge in Relation zur Landesbevölkerung: Dort war 1 von 6 Personen auf der Flucht.

Die zehn größten Aufnahmeländer von Flüchtlingen werden in der nachfolgenden Grafik dargestellt:

Quelle: UNHCR Global Trends 2018, S. 15

Nützliche Links:

Die Fluchtwege

Die Flucht ist ein gefährliches und teures Unterfangen. Die meisten Vertriebenen bleiben daher, wenn möglich, in ihrem Land oder in den angrenzenden Staaten. Zum Jahresende 2018 zählte der UNHCR Global Trends Report beispielsweise 41,3 Millionen Menschen, die als Binnenflüchtlinge innerhalb ihrer Herkunftsländer flüchteten. Wenige begeben sich jedoch auf den gefährlichen Weg nach Europa. Wurden 2015 laut FRONTEX, der Europäischen Agentur für Grenz- und Küstenwache, noch mehr als 1,8 Millionen Grenzüberschreitungen gezählt, waren es 2017 etwas weniger als 200.000. Zu den häufigsten und gefährlichsten Fluchtrouten zählt nach wie vor der Weg über das Mittelmeer. Aus westafrikanischen Ländern flüchten Schutzsuchende über Niger und Mali nach Algerien oder Marokko, um über die westliche Mittelmeerroute von dort nach Spanien zu gelangen. Die zentrale Mittelmeerroute, die Menschen aus Ländern wie Somalia, Eritrea oder dem Sudan wählen müssen, führt über Libyen nach Italien oder Malta. Diese Wege, die durch die Sahara führen kosten viele Schutzsuchende das Leben.  Insbesondere der Weg durch Libyen ist gefährlich, denn dort herrscht Bürgerkrieg. Schutzsuchende werden in Libyen zudem häufig Opfer von Zwangsarbeit und gezielter Gewalt.

Die Gefahren auf den Fluchtrouten über das Mittelmeer spiegelten sich in der eklatant hohen Zahl der Todesfälle wider. Im Jahr 2018 waren laut Angaben der UNO Flüchtlingshilfe mehr als 2 300 Tote und Vermisste zu beklagen. Für 2019 liegt die Zahl bereits bei 669 Menschen, die bei der Flucht über das Mittelmeer den Tod fanden. Der Weg über das Mittelmeer bleibt – und das obwohl die Ankünfte über die Mittelmeerroute seit 2016 gesunken sind (2016: 373.652 Menschen; 2017: 185.139 Menschen; 2018: 141.472 Menschen) – die gefährlichste Seeroute der Welt. Die europäische Politik vermeidet weiterhin eine flächendeckende, institutionalisierte Seenotrettung. Als Antwort darauf gründeten sich immer mehr private Initiativen wie die internationale Bewegung „Seebrücke“, die diese Lücke zu schließen versuchen, zunehmend aber behindert und kriminalisiert werden. (Quelle der Zahlen: https://www.uno-fluechtlingshilfe.de/hilfe-weltweit/mittelmeer/)

Auch ca. 671 000 seit 2017 geflüchtete Rohingya waren gezwungen einen riskanten Weg durch Regenwälder von Myanmar nach Bangladesch zu verfolgen, um dort sicherere Verhältnisse zu erreichen.

Die nachfolgende Grafik zeigt die Hauptwege der in 2018 Geflüchteten. Auffallend ist, dass die meisten in die direkten Nachbarländer oder zumindest naheliegende Staaten zu ihren Herkunftsländern flüchten.

Quelle: UNHCR Global Trends 2018, S. 8

Nützliche Links:
  • http://watchthemed.net/ - Online Mapping Plattform, die Todesfälle und Menschenrechtsverletzungen an Migrant*innen an den Seegrenzen der EU nachverfolgt
  • Alarmphone - ein selbstorganisiertes Call-Center für Geflüchtete, die auf dem Mittelmeer in Seenot geraten
  • Seebrücke – Initiative, die sich für sichere Fluchtwege, Entkriminalisierung der Seenotrettung und eine menschenwürdige Aufnahme Geflüchteter einsetzt
Geflüchtete in Europa

Nach Angaben von Eurostat, dem Statistischen Amt der Europäischen Union, wurden 2018 in den EU-Mitgliedsstaaten 333 400 Asylbewerber*nnen als schutzberechtigt anerkannt. Im Vergleich zum Vorjahr (533 000 in 2017) bedeutet das einen Rückgang von fast 40%. Die meisten Asylbewerber*innen kamen aus Syrien (29%), gefolgt von Afghanistan (16%).

Über 40% der positiven Entscheidungen wurden 2018 in Deutschland zuerkannt, gefolgt von Italien und Frankreich.

Quelle: Eurostat 2019, Asylentscheidungen in der EU, 2018

 

In der EU richten sich Asylverfahren nach dem "Gemeinsamen Europäische Asylsystem" (GEAS), u.a. bestehend aus der Asylverfahrens-, Aufnahme- und die Qualifikations-Richtlinie sowie der Dublin-III-Verordnung. Diese Richtlinien müssen von den EU-Staaten umgesetzt werden. Die Dublin-Verordnung schreibt fest, dass Geflüchtete nur in einem EU-Land einen Asylantrag stellen dürfen. Zudem können sich Geflüchtete grundsätzlich nicht aussuchen, in welchem Land das Verfahren durchgeführt wird. Gleichzeitig sollen die Richtlinien bewirken, dass EU-weit einheitliche Schutzstatus (>> Qualifikationsrichtlinie) sowie bestimmte Rechte und Aufnahmestandards während des Asylverfahrens gewährleistet sind (>> Asylverfahrens- und Aufnahmerichtlinie).

Angestoßen durch „Vorschläge zur stärkeren Harmonisierung der Asylverfahren und –normen“ der Europäischen Kommission in 2016 wurde auch in 2018 weiter über mögliche Reformen des GEAS verhandelt. Diese Reformen haben laut des europäischen Rats zum Ziel, das System insgesamt effizienter und vor allem solidarischer zu gestalten. Eine „gerechte Aufteilung der Verantwortlichkeiten unter den Mitgliedstaaten“ wird gefordert. Sekundärmigration soll unterbunden werden. Allerdings stecken die Verhandlungen seit geraumer Zeit fest.

Geflüchtete in Deutschland

Die Zahl der Flüchtlinge, die 2018 einen Asylerstantrag in Deutschland stellten, ist deutlich zurückgegangen. Nach 745.545 in 2016 und nur noch 222.683 in 2017waren es in 2018 185 853 Anträge von Geflüchteten. Bis zum Ende des Monats August wurden in 2019 bereits 114.165 Anträge gestellt.

Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge hat 2018 über insgesamt 216.873 Asylanträge entschieden (nach 603.428 Entscheidungen in 2017). Dabei lag die Gesamtschutzquote für alle Staatsangehörigkeiten in 2018 bei 35,00 % (nach 43,4 % in 2017). Offen sind damit noch 53 533 Asylerstanträge. Gegen 53,6% der Asylbescheide des BAMF wurden im Jahr 2018 Rechtsmittel eingelegt. Ende 2018 waren vor deutschen Verwaltungsgerichten 312 577 Verfahren anhängig. 171 905 Entscheidungen wurden insgesamt gefällt. In 17,2 % der Fälle wurde zugunsten der Kläger*innen entschieden, 37,7% wurden abgelehnt und in 45,1% erfolgten „sonstige Verfahrenserledigungen“ (Quelle: Antwort auf eine Anfrage der Linksfraktion an die Bundesregierung, Drucksache 19/8701).

Quelle: BAMF Aktuelle Zahlen zu Asyl, Dezember 2018

Nützlicher Link:

Geflüchtete in Baden-Württemberg

Jedes Bundesland ist dazu verpflichtet, einen bestimmten Prozentanteil der Geflüchteten, die nach Deutschland kommen, aufzunehmen. Dieser Anteil wird jedes Jahr durch den Königsteiner Schlüssel berechnet, der sich zu 2/3 aus den Steuereinnahmen und zu 1/3 aus der Bevölkerungszahl ergibt. Dementsprechend musste Baden-Württemberg im Jahr 2018 13,01 % der registrierten Flüchtlinge aufnehmen.

In Baden-Württemberg werden die Geflüchteten zunächst in Erstaufnahmeeinrichtungen untergebracht, die über das ganze Land verteilt sind. Mehr dazu unter >> Unterbringung und Wohnen.