Materialien & Informationen

E-Mail Newsletter Nr. 200

E-Mail-Newsletter
Nr. 200, 3. März 2017

 

Liebe Mitglieder, Förder*innen und Interessierte!

wahrscheinlich haben Sie auch schon festgestellt, wie sich die Herausforderungen und Fragestellungen in der Flüchtlingsarbeit immer weiter ausdifferenzieren. Während für viele, die in letzter Zeit ihre Anerkennung bekommen haben, Fragen wie Familienzusammenführung, Wohnungs- oder Arbeitssuche im Vordergrund stehen, müssen zahlreiche andere einen immer schwerer werdenden Kampf führen, um überhaupt in Deutschland bleiben zu können. Hauptunterscheidungskriterium ist dabei das Herkunftsland. Wir hoffen, dass wir mit den verschiedenen Beiträgen und Informationen in dieser Ausgabe unseres Newsletters möglichst alle Themenbereiche abdecken, die für Sie als Akteur*innen der Flüchtlingsarbeit in Baden-Württemberg relevant und aktuell sind.
Besonders hervorheben möchten wir das Thema „Abschiebungen nach Afghanistan“. Anlässlich der letzten Sammelabschiebung am 22. Februar gab es an sechs Orten im Land Proteste. In Stuttgart demonstrierten rund 500 Personen. Die Ereignisse dieses Tages, vor allem der Versuch, einen schwer kranken Mann und einen Familienvater abzuschieben, haben gezeigt, dass die „sorgfältige Einzelfallprüfung“, mit der die Landesregierung ihre Abschiebepraxis öffentlich rechtfertigt und dabei immer gerne den Eindruck erweckt, es ginge nur um Straftäter und Alleinstehende, eine absolute Farce ist. Deshalb ist es wichtig, den Druck aufrecht zu erhalten und noch zu erhöhen – konkret heißt das, jetzt schon Proteste vorzubereiten für den Tag der nächsten Afghanistan-Abschiebung. Wenden Sie sich an uns, wenn Sie Rat brauchen, bzw. melden Sie uns Termine, wenn Sie eine Aktion planen.
Doch es geht nicht nur darum, in diesem Punkt Druck auszuüben, sondern auch generell — schließlich sind weitere Gesetzesverschärfungen in Planung, wie Sie diesem Newsletter entnehmen können. Die politisch Verantwortlichen auf Bundes- und Landesebene scheinen vergessen zu haben, dass es in Deutschland nicht nur bornierte Nationalisten und Rassisten gibt, die Abschottung, Ausgrenzung und mehr Abschiebungen verlangen. Es liegt an uns und an Ihnen, sie – vor allem im Vorfeld der Bundestagswahl – daran zu erinnern, dass diejenigen, die am lautesten schreien, nicht unbedingt immer die Mehrheit oder gar „das Volk“ sind.
Wir wünschen Ihnen eine informative und spannende Lektüre unseres Newsletters, diesmal — anlässlich der 200. Ausgabe — in einem neuen Gewand.
Der Vorstand und die Mitarbeiter*innen der Geschäftsstelle des Flüchtlingsrats.

Hinweis: Wenn Sie am Ende der jeweiligen Beiträge auf „Weiterlesen...“ klicken, gelangen Sie zur ausführlichen Darstellung auf unserer Homepage und finden dort auch zahlreiche weitere Dokumente und Medienberichte.

 

1. FLÜCHTLINGSARBEIT

Informationen, Tipps und Arbeitshilfen zur praktischen Flüchtlingshilfe in BaWü und darüber hinaus.

 

Die Kontaktadressenbroschüre 2017 ist da!

Die Kontaktadressenbroschüre 2017 enthält Adressen von Beratungsstellen, Initiativen und Anwält*innen sowie politischen Institutionen. Sie stellt damit eine nützliche Handreichung für die praktische Beratung und Begleitung von Flüchtlingen dar. Die Broschüre entstand 2016 im Rahmen das Projekts "Aktiv für Flüchtlinge". Die Kontaktadressenbroschüre kann im Online-Shop kostenlos bestellt werden. Die in der Broschüre aufgeführten Adressen sind auch auf der Homepage des Flüchtlingsrats eingestellt.
Flüchtlingsarbeit in Baden-Württemberg – Kontaktadressenbroschüre 2017 [PDF]

 

Unabhängiges Beratungsportal für Geflüchtete und deren Unterstützer*innen geht online

Informationen sind mehrsprachig und in einfacher Sprache abrufbar

In 15 Kapiteln können Sie zentrale Informationen über die einzelnen Schritte im Asylverfahren, rechtliche Grundlagen zur Integration und Unterstützungsmöglichkeiten in Baden-Württemberg erhalten. Das Themenspektrum reicht von Informationen zum Asylverfahren über Hinweise zu Sprache und Bildung bis zur Vermittlung von Wissen für besonders Schutzbedürftige.
Das Portal ist bisher auf Deutsch unter www.w2bw.de abrufbar und in möglichst einfacher Sprache verfasst. Es wird außerdem in den Sprachen Albanisch, Arabisch, Dari, Farsi, Französisch, Englisch, Paschto, Serbisch und Tigrinya erscheinen.

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Abschiebungen nach Afghanistan

Tipps für Betroffene und Unterstützer*innen

Ungeachtet der sich immer weiter verschlechternden Sicherheitslage wurde am 22. Februar eine dritte Sammelabschiebung nach Afghanistan durchgeführt. Auch dieses Mal waren Menschen aus Baden-Württemberg betroffen. Für potenzielle weitere Abschiebungen hält der Flüchtlingsrat Tipps und Informationen vor.

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Gambiafachtag zwischen Euphorie und Skepsis

250 Menschen diskutieren über die geänderte Situation

Nur wenige Tage vor dem Fachtag am 21. Januar ist das Unglaubliche Wirklichkeit geworden. Nach großem internationalem Druck hat Diktator Yahya Jammeh das Wahlergebnis doch anerkannt. Die große Frage des Tages war nun, wie es in Gambia weitergeht und was dies für gambische Flüchtlinge bedeutet.

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Förderprogramm zur Qualifizierung Ehrenamtlicher in der Flüchtlingshilfe

Neuauflage des Aktionsfonds "Qualifiziert. Engagiert."

Auch im Jahr 2017 können im Rahmen des Aktionsfonds "Qualifiziert. Engagiert" wieder Schulungsmaßnahmen für in der Flüchtlingsarbeit Engagierte gefördert werden, z.B. interkulturelle Trainings oder Fortbildungen zu den asylrechtlichen Rahmenbedingungen. Antragsberechtigt sind Kommunen, eingetragene Vereine, in der Flüchtlingshilfe aktive Träger sowie lokale Initiativen. Neu im Vergleich zu 2016 ist, dass Anträge nun ohne bestimmte Fristen laufend bei der Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg gestellt werden können, solange die Veranstaltungen bis zum 30. Juni 2017 stattfinden. Förderrichtlinien und Antragsformulare sind auf der LpB-Homepage zu finden.

 

Neue Fördermöglichkeiten für die Integration von Flüchtlingen im ländlichen Raum

Förderung durch das Bundesamt für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL)

Das BMEL möchte gezielt das Ehrenamt im ländlichen Raum unterstützen. Das Programm richtet sich an Initiativen, die sich für die nachhaltige Integration geflüchteter Menschen im ländlichen Raum einsetzen. Es ist möglich, zwischen 1.000 Euro und 10.000 Euro als Förderung für konkrete Projekte oder Anschaffungen zu beantragen. Die Förderschwerpunkte sind Kultur und Sport, praktische Lebenshilfe, gemeinsames bürgerschaftliches Engagement sowie Netzwerkarbeit. Anträge können bis zum 31. März 2017 eingereicht werden.
Weitere Informationen zum Programm und zur Antragstellung erhalten Sie auf der Homepage des BMEL.

 

Reflexionsleitfaden für Initiativen in der Flüchtlingsunterstützung

Ein Leitfaden des Flüchtlingsrates Thüringen zum Thema Motivation, Ziele und Aufgabenverteilung in der Gruppe

Dieser Leitfaden ist für Gruppen oder Initiativen von Ehrenamtlichen in der Flüchtlingsunterstützung konzipiert. Mit Hilfe der Fragestellungen und Methoden können Sie sich und Ihre Arbeit reflektieren. Der Leitfaden hilft, das Selbstverständnis der Initiative zu konkretisieren sowie Ziele und Aufgaben zu strukturieren. Insbesondere die Verbildlichung kann hilfreich sein, um Lösungsansätze zu entwickeln und Potenziale sichtbar zu machen. Diese Reflektion beugt Frust und Überforderung vor. So können Sie weiterhin zielgerichtet aktiv sein und Ihre Energie für die Unterstützung der Geflüchteten besser bündeln. Denn Ehrenamt soll Spaß machen und sinnstiftend sein.
Reflexionsleitfaden für Initiativen

 

"Wenn Helfen nicht mehr gut tut..."

Ein Wegweiser durch die Welt des Helfens

Freiwilliges Engagement tut einerseits gut, lässt einen aber auch manches Mal an Grenzen stoßen – im Umgang mit sich selbst, der Hilfe empfangenden Person oder auch der Organisation, für die man aktiv ist. Die Diakonien Hessen, Pfalz und Rheinland/Westfalen/Lippe haben eine Broschüre erstellt, um Ehrenamtliche beim Umgang mit schwierigen Situationen zu unterstützen. Die Arbeitshilfe bietet im ersten Teil eine Annäherung an das Thema Helfen: Was heißt es eigentlich zu helfen? Welche Faktoren prägen die Art zu helfen? Und wann tut Helfen nicht mehr gut? Im zweiten Teil bieten Praxis- und Arbeitshilfen methodische und theoretische Anregungen, damit Helfen (wieder) gut tut und Freude macht, und zwar allen, die daran beteiligt sind.

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SPRACHFÄHIG in der Flüchtlingsdebatte

Fakten und Argumente gegen rechte Parolen und Vorurteile

Gemeinsam mit der Diakonie Hessen, dem Förderverein PRO ASYL und der Stiftung für die internationalen Wochen gegen Rassismus hat der Initiativausschuss für Migrationspolitik in Rheinland-Pfalz eine Online-Broschüre erarbeitet. Diese soll Haupt- und Ehrenamtliche in der gesellschaftlichen Auseinandersetzung um die Aufnahme und Integration von Flüchtlingen stärken. Zum einen wird herausgearbeitet, warum der Einsatz für Schutzsuchende und damit für die Menschenrechte keinerlei Rechtfertigung bedarf. Zum anderen werden aktuelle Daten und Fakten zusammengestellt, um in der Debatte mit „flüchtlingskritischen“ Personen vor Ort gegen verbreitete Parolen und Vorurteile argumentieren und „Überzeugungsarbeit“ leisten zu können.
Broschüre: SPRACHFÄHIG in der Flüchtlingsdebatte – Fakten und Argumente gegen rechte Parolen und Vorurteile

 

In aller Kürze:

 

Protest gegen Abschiebungen nach Afghanistan

In einem offenen Brief an Ministerpräsident Kretschmann und Innenminister Strobl verleihen Vertreter*innen des Arbeitskreises Flüchtlinge in Reutlingen ihrem Protest gegen die Abschiebungen nach Afghanistan Ausdruck.

 

Stuttgart: Neue Beratungsstelle "ArrivalAid" sucht Ehrenamtliche für Anhörungsvorbereitung und -begleitung

ArrivalAid ist eine Initiative zur Aus- und Fortbildung von Ehrenamtlichen, die Flüchtlinge auf den Anhörungstermin beim BAMF vorbereiten und sie zu diesem begleiten. Seit Anfang des Jahres ist ArrivalAid auch in Stuttgart vertreten und sucht Engagierte, die sich dieser Aufgabe widmen möchten. Weiterlesen …

 

Petition "Bearbeitung von Anträgen auf Familiennachzug zu subsidiär schutzberechtigten Flüchtlingen"

Die Petition zielt darauf ab, Verbesserungen beim Familiennachzug für Menschen zu erreichen, die etwa aus Syrien nach Deutschland geflohen sind, nach Abschluss des Asylverfahrens sogenannten subsidiären Schutz erhalten haben und somit bis März 2018 vom Familiennachzug ausgeschlossen sind.

 

Kostenlose Webadresse und Webspace für Flüchtlingsprojekte

Der Arbeitskreis Asyl Albstadt stellt das Format seiner Webpräsenz anderen ehrenamtlichen Initiativen im Flüchtlingsbereich kostenlos zur Verfügung. Mit dabei ist eine Webadresse sowie ausreichend Webspace zur Vorstellung der eigenen Projekte und Initiativen. Weitere Informationen und Kontaktmöglichkeiten finden Sie auf der Seite www.ak-asyl.net.

 

Jobbörse für Flüchtlinge

Die Internetplattform www.jobbörse.de hat seit kurzem einen eigenen Bereich für Geflüchtete. Arbeitgeber*innen und Flüchtlinge können dort ihr Profil/Angebot kostenlos online stellen. Auch hält die Datenbank Informationen für Arbeitgeber vor.

 

Gesucht: Betriebe, die durch Abschiebungen Mitarbeiter verlieren oder verloren haben

Die Erwin Meier GmbH Bauunternehmung hat in einem gambischen Geflüchteten einen dringend benötigten Mitarbeiter gefunden, der nun zum zweiten Mal abgeschoben werden soll. Die Firma möchte sich daher in einem Brief an einen Bundestagsabgeordneten für ein Bleiberecht für gut integrierte Flüchtlinge einsetzen. Sie bittet um Mitteilung unter info@erwin-meier.de, wenn Sie Firmen kennen, die Flüchtlinge eingestellt haben oder ihnen einen Ausbildungsplatz geben wollten, und dies durch Abschiebung verhindert wurde oder verhindert werden soll. Weiterlesen …

 

Argumente zur Einführung der Gesundheitskarte für Geflüchtete

Das Netzwerk der Medibüros hat ein Argumentationspapier zur Gesundheitskarte für Geflüchtete innerhalb der ersten 15 Monate ihres Aufenthalts herausgegeben, das sich insbesondere mit der Frage der Kosten für die Sozialverwaltung auseinandersetzt.

 

Interviews mit Geflüchten zum Thema „Selbstorganisation und Vernetzung“

Eine Studentin der Universität Heidelberg schreibt ihre Bachelorarbeit zum Thema „Möglichkeiten der Partizipation von selbstorganisierten Geflüchteten und deren räumliche Vernetzung“. Hierzu sucht sie Geflüchtete als Interviewpartner*innen, die bereit wären, in einem eineinhalb- bis zweistündigen persönlichen Gespräch über ihre Erfahrungen und Meinungen zu diesem Thema zu sprechen. Weiterlesen …

 

Bundesweites Mentoring-Programm für geflüchtete Wissenschaftler/innen

Die Arab-German Young Academy of Sciences and Humanities (AGYA) hat zusammen mit der Freien Universität Berlin ein bundesweites Mentoring-Programm für geflüchtete Wissenschaftler*innen ins Leben gerufen. Das Programm bringt Wissenschaftler*innen, die ihre Heimat aufgrund von Krieg oder Verfolgung verlassen mussten, mit etablierten Fachkolleg*innen zusammen. Ausführliche Infos gibt es auf der AGYA-Homepage.

 

2. FLÜCHTLINGSPOLITIK

Informationen zur Flüchtlings- und Migrationspolitik BaWü, BRD und EU

 

Staatlich verordneter Rechtsbruch

Flüchtlingsrat prangert Verstöße gegen maximale Aufenthaltsdauer in der Erstaufnahme an

In Baden-Württemberg werden in zahlreichen Fällen Asylsuchende über die gesetzliche Höchstdauer von sechs Monaten hinaus in den Erstaufnahmeeinrichtungen behalten. „Uns sind Fälle bekannt, in denen Personen seit 15 Monaten in der Erstaufnahme sind. Wir fordern die Landesregierung auf, diese rechtswidrige Praxis sofort zu unterbinden“, erklärt Seán McGinley, Geschäftsführer des Flüchtlingsrates Baden-Württemberg. Betroffen waren zum Stichtag 31. Januar landesweit 1.691 Personen.

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Mal wieder Neuigkeiten aus dem "Musterländle für Abschiebungen"

Abschiebungen nach Afghanistan, Serbien und Mazedonien von Protesten begleitet

Am 22. Februar hat die baden-württembergische Landesregierung ein weiteres Mal ihre maßlose Abschiebepolitik fortgesetzt. 4 Männer wurden nach Afghanistan, 35 Menschen nach Serbien und 25 Menschen nach Mazedonien abgeschoben. Darunter wie immer viele Kinder, Minderheitenangehörige und weitere tragische Einzelfälle. Aber es gibt kleine Hoffnungsschimmer: Der Protest und der Druck wachsen. Über 1.000 Menschen gingen in verschiedenen baden-württembergischen Städten, insbesondere gegen Abschiebungen nach Afghanistan, auf die Straße. In mehreren Fällen stoppten Gerichte gerade noch geplante Abschiebungen.

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Weitere Asylrechtsverschärfung steht ins Haus

Das Kabinett hat am 22. Februar den Entwurf des "Gesetzes zur besseren Durchsetzung der Ausreisepflicht" abgesegnet. Es ist davon auszugehen, dass auch dieses Gesetzespaket im Eiltempo den Gesetzgebungsprozess durchlaufen wird, zumal eine Zustimmung des Bundesrats nicht nötig ist. Der Entwurf enthält vielfältige Verschärfungen, angefangen von der Ausweitung von Abschiebehaft und Ausreisegewahrsam über die ausgeweitete Wohnpflicht in der Erstaufnahme bis hin zu einer Pflicht zur Asylantragstellung für unbegleitete Minderjährige durch die Jugendämter. Der Gesetzesentwurf stößt auf breite Kritik von Flüchtlings- und Menschenrechtsorganisationen. Die potenziellen Änderungen haben wir im Folgenden kurz für Sie zusammengefasst.

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Starthilfe Plus ein Rückkehrprogramm mit "Gschmäckle"

Die Bundesregierung hat zum 1. Februar gemeinsam mit der Internationalen Organisation für Migration (IOM) das neue Rückkehrförderprogramm "Starthilfe Plus" eingeführt. Neben der Übernahme der Rückreisekosten kann künftig eine Reisebeihilfe und eine einfache Starthilfe beantragt werden. Das Programm schafft daneben ganz klare Anreize zur Rücknahme des Asylantrags. So wird mit einer Bonuszahlung in Höhe von 1.200 € belohnt, wer sich noch vor Zustellung des Bescheids zur freiwilligen Ausreise bereit erklärt. Wer die Entscheidung zur freiwilligen Ausreise nach Ablehnung innerhalb der Ausreisefrist deklariert, kann eine Bonuszahlung in Höhe von 800 € erhalten — vorausgesetzt, es werden keine Rechtsmittel eingelegt und die Ausreise erfolgt unverzüglich. Es steht zu befürchten, dass durch dieses Rückkehrprogramm noch mehr Menschen zur Rücknahme ihres Asylantrags gedrängt und einseitig in Richtung freiwillige Rückkehr beraten werden, als es ohnehin bereits Praxis ist.
Daher unser Rat an Engagierte: Wenn das Thema "freiwillige Ausreise" im Raum steht, ist eine ergebnisoffene Beratung geboten. Eine solche sollte bei unabhängigen Rückkehrberatungsstellen der Wohlfahrtsverbände angefragt werden. Eine Begleitung der Geflüchteten zum Beratungstermin kann sinnvoll sein.

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Lange Verfahrensdauer und sehr hohe Gesamtschutzquote

Zahlen zum Asyljahr 2016

Die Bundestagsfraktion der Linken fordert regelmäßig eine ergänzende Asylstatistik an. Einige der aussagekräftigsten Zahlen für das Gesamtjahr 2016 haben wir Ihnen zusammengestellt:

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Griechenland — Dublin-Überstellungen ab 15.3.2017 wieder möglich!

Infolge von Urteilen des EUGH bzw. EGMR sind Dublin-Überstellungen nach Griechenland seit 2011 aufgrund "systemischer Mängel" im Asylverfahren ausgesetzt. Am 8. Dezember 2016 hat die EU-Kommission sich für die Wiederaufnahme der Dublin-Überstellungen nach Griechenland ausgesprochen. Laut Bundesinnenministerium sollen nun ab März wieder Rücküberstellungen nach Griechenland durchgeführt werden. Dies gilt allerdings nur für Personen, die nach dem 15. März 2017 irregulär nach Griechenland eingereist sind. Außerdem soll Griechenland dem überstellenden Staat eine individuelle Zusicherung geben, dass die betreffende Person in einer Aufnahmeeinrichtung untergebracht wird, die den Standards der EU-Aufnahmerichtlinie entspricht. Besonders schutzbedürftige Geflüchtete, einschließlich unbegleiteter Minderjähriger, sollen zunächst nicht überstellt werden.
EU-Kommission, 08.12.2016: Dublin-Überstellungen von Flüchtlingen nach Griechenland sollen schrittweise wieder aufgenommen werden

 

Jeder 41. Flüchtling stirbt bei der Überfahrt!

2016 war das tödlichste Jahr in der Geschichte der EU-Flüchtlingspolitik. 5.022 Menschen starben 2016 bei der Flucht über das Mittelmeer. Damit wird der bisherige traurige Rekord — 3.771 Tote im Jahr 2015 — gebrochen. Die Organisation Ärzte ohne Grenzen berechnete, dass 2016 jeder 41. Geflüchtete bei der Bootsüberfahrt nach Italien ums Leben gekommen sei (2015: jeder 276.).

Statt das Sterben im Mittelmeer endlich zu stoppen, erdenkt die Europäische Union immer neue Abschottungsstrategien. So ist z.B. aktuell ein Abkommen mit Libyen — ein Staat, in dem schwerste Menschenrechtsverletzungen an der Tagesordnung sind — in Vorbereitung, das vorsieht, dass im Mittelmeer gerettete Flüchtlinge nach Libyen zurücktransportiert werden.
PRO ASYL, 29.12.2016: Das tödlichste Jahr in der Geschichte der EU-Flüchtlingspolitik
ZEIT online, 08.02.2017: Libyen — Parkplatz für Flüchtlinge

 

In aller Kürze:

 

Vier Abschiebeflüge in drei Wochen!

Die grün-schwarze Landesregierung hat sich nicht nur ein weiteres Mal wohlwollend an Abschiebeflügen nach Afghanistan beteiligt. Das angebliche "Musterländle der Integration" hat Ende Januar/Anfang Februar innerhalb von 11 Tagen allein 86 Kinder unter 14 (!) und 164 Menschen über 14 in die Staaten Albanien, Kosovo, Mazedonien und Serbien abgeschoben — wie immer auch dieses Mal Menschen der besonders diskriminierten Minderheit der Roma. Weiterlesen …

 

Bleiberechtsregelungen weitgehend unwirksam

Aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Grünen (BT-Drucksache 18/10931) geht hervor, dass die Bleiberechtsregelungen für langjährig Geduldete weitgehend ins Leere laufen. So klafft eine große Lücke zwischen der Zahl der potenziell Anspruchsberechtigten und den tatsächlich erteilten Aufenthaltstiteln auf Basis der §§ 25a und 25b AufenthG. Weiterlesen …

 

Bundesregierung sieht Notwendigkeit für die „Bekämpfung von Kinderehen“

Die Bundesregierung hat am 17. Februar 2017 den Entwurf eines Gesetzes zur Bekämpfung von Kinderehen veröffentlicht. Maßgeblich soll geändert werden, dass Ehen nunmehr nicht vor Eintritt der Volljährigkeit geschlossen werden dürfen. Weiterlesen …

 

Aufnahme von Flüchtlingen statt Abschiebungen nach Griechenland!

Während Innenminister Strobl die gesunkenen Zuzugszahlen von Asylsuchenden im Jahr 2016 als Erfolg verkauft, sitzen Tausende von Flüchtenden in Griechenland Italien, Bulgarien und auf der Balkanroute fest – schutzlos dem Winter ausgeliefert, bei klirrender Kälte in unbeheizten Zelten und prekären Behausungen. Anstatt dies zum Anlass zu nehmen, um die längst versprochene und überfällige Umsetzung beschlossener Relocation-Maßnahmen in die Wege zu leiten, wird eine Wiederaufnahme von Dublin-Überstellungen nach Griechenland angekündigt. Weiterlesen …

 

3. Neue Publikationen & Materialien

 

Neues Infoblatt zum subsidiären Schutz

Infoblatt in Deutsch, Arabisch und Tigrinya

Gemeinsam mit dem Flüchtlingsrat Niedersachsen veröffentlichte die Landesarbeitsgemeinschaft der freien Wohlfahrtspflege ein Infoblatt zum subsidiären Schutz.
Infoblatt subs. Schutz deutsch
Infoblatt subs. Schutz arabisch
Infoblatt subs. Schutz tigrinya

 

Willkommen in Deutschland — Ein Wegbegleiter für unbegleitete Minderjährige

Mit welchen Behörden, Ämtern und Organisationen habe ich es zu tun? Was passiert alles in der ersten Zeit nach Einreise? Wer kümmert sich um mich? Und vor allem: Welche Rechte habe ich? Dies und vieles mehr erfahren junge Flüchtlinge in der vom Bundesfachverband Unbegleitete Minderjährige Flüchtlinge herausgegebenen Broschüre.
B-UMF: Download und Bestellung der Broschüre "Willkommen in Deutschland"

 

Informationsbroschüre "Kann ich meine Familie nach Deutschland holen?"

Das Beratungs- und Betreuungszentrum für junge Flüchtlinge und Migranten in Berlin hat eine aktuelle Übersicht zu den verschiedenen Fragstellungen des Familiennachzugs von syrischen Flüchtlingen erstellt. Die Informationsbroschüre steht sowohl auf Deutsch als auch auf Arabisch zur Verfügung.

BITTE BEACHTEN SIE: Die Broschüre gibt die Lage in Berlin wieder. Daher muss ein Unterschied für die Beratung in unserem Bundesland hervorgehoben werden. Im Gegensatz zu Berlin gibt es in Baden-Württemberg derzeit kein Landesaufnahmeprogramm für Flüchtlinge, über das in BW lebende Personen Verwandte, die nicht der Kernfamilie angehören, über eine Verpflichtungserklärung nachholen können.
KommMit — für Migranten und Flüchtlinge e.V., Januar 2017: "Kann ich meine Familie nach Deutschland holen?"

 

Arbeitshilfe "Die Ausbildungsduldung"

Am 6. August 2016 ist das Integrationsgesetz in Kraft getreten, mit welchem erstmals ausdrücklich der Anspruch auf Erteilung einer Duldung zum Zwecke der Ausbildung ins Aufenthaltsgesetz aufgenommen wurde. Die vorliegende Arbeitshilfe soll dieser Regelung größtmögliche Wirksamkeit verleihen und macht deutlich, dass Rechtsprechung und viele Bundesländer die restriktive Auslegung dieser Vorschrift durch Bayern und das Bundesministerium des Innern nicht teilen.
Der Paritätische, 1.2.2017: Arbeitshilfe "Die Ausbildungsduldung"

 

"Soziale Rechte für Flüchtlinge"

Broschüre des Paritätischen

Die rechtliche Ausgestaltung des Arbeitsmarktzugangs und der Sozialleistungen für geflüchtete Menschen ist in Deutschland seit Langem sehr komplex. Seit dem Jahr 2015 haben zahlreiche Gesetzesänderungen jedoch dazu geführt, dass nicht mehr nur anhand des Aufenthaltsstatus, sondern auch aufgrund der Staatsangehörigkeit differenziert wird und manche Zugänge nur noch für Menschen mit einer sogenannten „guten Bleibeperspektive“ gewährt werden. Die Broschüre gibt einen kompakten Überblick über die zentralen Regelungen. Sie ist praxisorientiert angelegt und enthält zahlreiche Tipps für die Beratungspraxis.
Der Paritätische, Dezember 2016: Soziale Rechte für Flüchtlinge

 

 

Leitfaden "Recht auf Bildung für Flüchtlinge"

Die neu aufgelegte Broschüre behandelt die rechtlichen Rahmenbedingungen des Zugangs zu Bildungsangeboten für Personen mit Aufenthaltsgestattung, Duldung und den unterschiedlichen Aufenthaltserlaubnissen.
Informationsverbund Asyl und Migration, Dezember 2016: "Recht auf Bildung für Flüchtlinge"

 

 

Arbeitshilfe "Der Zugang zur Berufsausbildung und zu den Leistungen der Ausbildungsförderung für junge Flüchtlinge und junge Neuzugewanderte"

Die Arbeitshilfe "Der Zugang zur Berufsausbildung und zu den Leistungen der Ausbildungsförderung für junge Flüchtlinge und junge Neuzugewanderte" wurde anlässlich der Änderungen durch das Integrationsgesetz und das Rechtsvereinfachungsgesetz überarbeitet und kann auf der Homepage des Paritätischen abgerufen werden.

 

Tipps aus dem Verbraucherschutz für Flüchtlinge

Die aktuellen Flyer der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg informieren über verschiedene Probleme, die — auch für Geflüchtete — im Alltag entstehen können und enthalten Tipps, wie damit umgegangen werden kann. Zwei der Infoflyer, nämlich „Versicherungen einfach erklärt“ und „Verträge einfach erklärt“, wurden in die Sprachen Französisch, Englisch, Arabisch, Persisch und Pashto übersetzt. Die Flyer sind erhältlich bei: Verbraucherzentrale Baden-Württemberg e. V., Flüchtlingsprojekt – Frau Gabi Reinacher, Paulinenstraße 47, 70178 Stuttgart, E-Mail: fluechtlingshilfe@vz-bw.de.
Verbraucherportal BW: Verbraucherschutz für Flüchtlinge

 

4. Veranstaltungshinweise

 

11.03.2017

"ankommen. bleiben. dazugehören" — Tagung des Flüchtlingsrats Baden-Württemberg

NEUER VERANSTALTUNGSORT: Bürgerzentrum West, Bebelstraße 22, 70193 Stuttgart !!!!

Neben politischem Input und spannenden Arbeitsgruppen wird es auch eine Mitgliederversammlung geben, in der unter anderem die Sprecherrät*innen und Vorsitzenden gewählt werden.
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14.03.2017

Treffen zur Zufluchts-Stadt Freiburg

Das Freiburger Forum trifft sich jeden zweiten Dienstag im Monat von 19 bis 21 Uhr im rasthaus zu einem Arbeitstreffen, um an der Zuflucht-Stadt-Freiburg zu arbeiten. Neueinsteiger*innen sind herzlich willkommen! Nähere Infos auf der Homepage des Freiburger Forums.

 

15.03.2017

Internationale Wochen gegen Rassismus

Vom 15. bis 23. März finden bundesweit die Internationalen Wochen gegen Rassismus statt. Auf der Homepage sind die unterschiedlichen Veranstaltungen aufgeführt. In Baden-Württemberg finden z.B. in Stuttgart, Heidelberg und Karlsruhe Veranstaltungen statt.

 

18.03.2017

Bundesweite Aktionstage "Welcome2stay" vom 18. bis zum 23. März 2017

"Das europäische System der Abschottung wird noch brutaler, Deutschland geht mit immer mehr Abschiebungen voran — lasst uns gemeinsam laut werden! Beteiligt Euch an den bundesweiten Aktionstagen vom 18. bis zum 23. März 2017 für Bleiberecht und gleiche soziale Rechte für alle. Zeigt Eure solidarischen Netzwerke, Eure Kämpfe und Eure Visionen von einer Gesellschaft in der Migration keine Bedrohung ist." So ruft das Bündnis Welcome2stay zu den dezentralen Aktionstagen im März auf. Welcome2Stay ist ein Netzwerk aus verschiedenen Gruppen und Organisationen des Antirassismus, der migrantischen Selbstorganisation und der Willkommensinitiativen.
Mehrsprachiger Aufruf auf der Welcome2stay-Homepage

 

23.03.2017

Fachtag des Diakonischen Werks Württemberg für ehrenamtliche Mitarbeitende in der Flüchtlingsarbeit

Diakonisches Werk Württemberg, Heilbronner Str. 180, 70191 Stuttgart

Im Mittelpunkt des Fachtags steht die Situation syrischer und afghanischer Geflüchtete. Zudem wird es einen Input zum Integrationsgesetz von Sebastian Röder aus der Geschäftsstelle des Flüchtlingsrats geben.
Fachtag DW Einladung

 

IN EIGENER SACHE:

 

Spenden für den Flüchtlingsrat nun auch online möglich

Seit kurzem ist es möglich, auf der Flüchtlingsrats-Homepage eine Online-Spende zu tätigen. Wir freuen uns darüber, wenn Sie diese Information an potenzielle Spender*innen weitergeben oder das Spendenportal selbst zur Unterstützung unserer Arbeit nutzen.

 

Online-Shop mit Buttons, Aufklebern und Taschen

In unserem Online-Shop können Sie ab sofort Buttons, Aufkleber und Stoffbeutel gegen kleines Geld und für den guten Zweck erwerben.

 

Impressum
FLÜCHTLINGSRAT BADEN-WÜRTTEMBERG
Geschäftsstelle, Hauptstätter Str. 57 - 70178 Stuttgart
Tel.: 0711 - 55 32 83-4 -- Fax.: 0711 - 55 32 83-5
E-Mail:
info@fluechtlingsrat-bw.de
Web:www.fluechtlingsrat-bw.de
 
Solidarität braucht Solidarität!
Unterstützen Sie unsere politische und praktische Arbeit für Flüchtlinge durch eine Mitgliedschaft,
eine Fördermitgliedschaft oder eine Spende an:
Flüchtlingsrat Baden-Württemberg e.V. , GLS Bank, BLZ 430 609 67, Kto. Nr. 70 07 11 89 01, IBAN: DE66 4306 0967 7007 1189 01, BIQ: GENODEM1GLS
 
AutorInnen der Beiträge: Seán McGinley, Melanie Skiba, Clara Schlotheuber, Sebastian Röder, Laura Gudd, Volker Löffler, Julian Staiger
Redaktion: Ulrike Duchrow, Bärbel Mauch
Der Newsletter erscheint im zweimonatigen Turnus.
Unsere bisherigen Newsletter finden Sie auf unserer Website unter
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Der Newsletter wird im Rahmen des Projekts „Aktiv für Flüchtlinge“ gefördert durch das Land Baden-Württemberg. Der Flüchtlingsrat BW wird außerdem unterstützt durch PRO ASYL, das Diakonische Werk Württemberg, die Evangelische Kirche Baden und die Diözese Rottenburg-Stuttgart.

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